In den letzten Jahren haben  schien die C-Klasse  gegenüber den  Intermediates  in den Hintergrund zu treten und geradezu überflüssig zu werden.

Dann schickte Ozone seinen genialen Delta 2 ins Rennen und hat damit unerwartet die C-Flügel zu neuem Leben erweckt.
Wir waren sehr gespannt, wie die Mitbewerber darauf reagieren werden. Eine sehr interessante Antwort haben wir mit dem neuen Volt 2 von Air Design gefunden, den ich kürzlich bei unterschiedlichen Bedingungen in Meduno und im Schwarzwald testen konnte. Geflogen bin ich die Größe M (85-105kg) im mittleren Bereich (ca. 97 kg Fluggewicht).

Erster Eindruck

Angeblich fallen Entscheidungen meist schon unbewusst in den ersten Sekunden. Die haben mich in jedem Fall neugierig gemacht, denn der Volt 2 zeigt einige interessante Konstruktionsdetails wie z.B. die Tragegurte oder die so genannten "Vortex-Holes" an den Flügelenden. Haifischnase, 3D-Shaping, wenige Leinen (3x2 Stammleinen) und eine entsprechend aufwändige Flügel-innen-Konstruktion gehören in der Klasse ja schon zum Standard.

Bei Air Design ist alles bis ins Detail sehr sauber und gut verarbeitet, das gibt in jedem Fall Vertrauen. Ach ja, und schön ist er, der Volt 2, auch ein Erster-Eindruck-Pluspunkt.

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Aufziehen und Start

Am Startplatz von Meduno kommt vormittags  der Wind meist erst mal von hinten, eine gute Gelegenheit, den Flügel zunächst auf dem großzügigen Plateau am Boden auszuprobieren.

Hier punktet der Volt 2 sofort, das Leinensortieren ist einfach (es gibt ja nicht viele, und diese sind glücklicher Weise etwas dicker, als Zahnseide). Beim Aufziehen fühlt sich alles perfekt an: es braucht wenig Impuls, der Flügel steigt wunderbar, behält seine Spur und bleibt schön brav im Zenit, ohne jegliche Tendenz zum Überholen. Sehr vorbildlich. Natürlich ist er kein A-Schirm, die Steuerwege fühlen sich schon jetzt angenehm kurz und direkt an, das gefällt mir gut.

Nachdem der Wind bald passt, kann's dann schon an den Start gehen. Ich ziehe ganz gemütlich auf, kontrolliere, leg noch mal ab, ziehe erneut auf, spiele eine Weile im Stand und starte dann vollkommen entspannt. So soll es sein. Keinerlei Stress. Wenn man den Volt 2 nicht absichtlich beim Starten stört, wird er es in den allermeisten Situationen fast von alleine tun.

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Handling und Steuerverhalten

Jetzt bin ich erst mal ein wenig irritiert, der Steuerdruck erscheint im ersten Moment hoch und das Handling ungewohnt. Schnell merke ich aber, dass der Volt einfach etwas anders geflogen werden will, als mein Delta und ich taste mich heran.

Aha, kurze und etwas schnellere Impulse steuern den Flügel besser, als langsame. So reagiert er direkt, sehr exakt und mit perfekt kurzen Steuerwegen. Ein paar Rollversuche zeigen, dass es von meinen Gewohnheiten einfach eine kleine Umgewöhnung braucht, aber sehr gut funktioniert. Mir fällt auf, dass der Flügel auch bei höheren Wings extrem stabil bleibt und keinerlei Tendenz zum Weichwerden im Außenflügel hat. Super!

Mit tiefem Bremsleinenzug wird der Druck irgendwan so warnend hoch, dass man trotz der kurzen Ansprechwege im "normalen" Steuer-Bereich den Volt 2 nur mit Gewalt abreißen wird. Beim Nicken zeigt sich eine passable Dämpfung, ohne dass es sich "lahm" anfühlt. Bestimmt einer der Gründe für den später angenehm auffälligen Reisekomfort in Turbulenzen.

Thermik

Die erste Thermik erwacht am Hang und steigt mit kleinen Bläschen nach oben. Ich spüre genau, was in der Luft los ist. Dabei spricht der Flügel mit mir in einer für mich sehr angenehmen Lautstärke - nicht zu viel und nicht zu wenig. So ist es einfach, die Thermik zu finden und die schwachen Bläschen auszubalancieren. Wow, der Volt 2 steigt sagenhaft und lässt sich dabei angenehm, einfach und exakt manövrieren. Nach kurzer Zeit bin ich über dem Grat und alle anderen viel tiefer. Na ja, es sind auch Flugschüler dabei ...

Bei weiteren Flügen gefällt mir das Handling immer besser und es ist eine reine Freude, mit dem Volt 2 zu kurbeln. Eng und flach geht ebenso gut, wie "mal schnell innen überholen". Auch in sehr bewegter Luft fliegt es sich komfortabel und trotzdem oder gerade deshalb auch sehr effektiv. Keine Frage, der Volt ist ein C-Schirm, sicher kein Panzer. Aber eben eher ein gut motorisierter Audi, als ein Ferrari. Mir gefällt das.

Nach inzwischen einigen Thermikflügen habe ich den Eindruck, dass der Volt 2 schwaches Steigen schon überdurchschnittlich gut mit nimmt, in bewegter Luft, in bockig-enger Pfalz- oder Schwarzwaldthermik und wahrscheinlich auch in rasantem Alpensteigen seine Thermik-Stärke aber überragend auszuspielen vermag.

Gleiten

So, jetzt brauchen die Flugschüler einen Lehrer am Landeplatz, also mache ich mich auf den Weg. Erst Halbgas, dann Vollgas, gutes Gleiten im ganzen Bereich des Beschleunigers und ein sehr stabiler Flügel. Gut auch über die C-Handles zu steuern. Vielleicht ist er im Endspeed um ein Quäntchen langsamer, als die ausgereizten Vertreter seiner Klasse, trotzdem rasant unterwegs, immer im Komfort-Bereich und mit wirklich gutem Gleiten.

Beim Abend-Abgleiter vom Monte Valinis in ruhiger Luft sticht der Volt 2 dann auch gleich eine hier nicht genannte Rennmaschine der Kategorie D voll aus. Kompliment!

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Abstiegshilfen

Mein Liebling ist die Spirale, also taste ich mich mal vorsichtig ran. Auch hier zeigt sich wieder die Komfortklasse: keine Zicken, keine überraschenden Reaktionen, alles sehr gut dosier- und steuerbar, gute Sinkwerte und richtig Spaß!

Das Ausleiten ist überraschend einfach für die C-Klasse. Beim Versuch, die Kiste mal schnell aus der Spirale zu lassen, fällt mir auf, dass das sonst gewohnte "in die Wirbelschleppe fliegen" ausbleibt. Aha, ist dies wohl ein Ergebnis der Vortex-Holes, die am Flügelende für Druckausgleich sorgen sollen und damit den induzierten Widerstand deutlich verringern?

Der Volt 2 lässt sich auch in thermischer Luft gut nach unten spiralen, ein paar Tage später konnte ich das über einige hundert Höhenmeter ausprobieren. Selbst bei ordentlichen Turbulenzen.

Das Ohrenanlegen hab ich mangels Höhe nur kurz versucht, es ist mir nicht sofort gelungen. Hier erfordert das 3x2-Stammleinen-Konzept etwas Aufmerksamkeit und sicher auch ein paar Versuche vor dem "Ernstfall" im Stress. Lt. Hersteller funktioniert die Standard-Abstiegshilfe aber problemlos, sogar ohne schlagende Ohren. Das glaube ich auch. Trotzdem wollen alle gut gestreckten, leinenreduzierten und Stäbchen-verstärkten Flügel, dass man zuvor das Betriebshandbuch liest. Ich muss zugeben, dies habe ich versäumt.

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Landung

Er hat mich nicht überrascht, dass auch das Landen sehr einfach ist. Der Gleitwinkel ist gut einschätz- und dosierbar, bei thermischen Verhältnissen am Boden steigt der Volt allerdings gerne noch mal richtig weg. Eben ein Thermikflügel, der alles effektiv mit nimmt.
Mit offener Bremse im Endanflug ist das Ausfliegen dann ein Kinderspiel und gelingt gleich beim ersten Versuch auf den Punkt. Bei meinen Ziellandekünsten rechne ich das jetzt wirklich mal dem Volt zu.

Performance & Wirkungsgrad

Es ist immer schwierig, nach ein paar Testflügen hier ein reelles Urteil zu treffen. Deswegen ist meines auch bestimmt subjektiv. Aber das darf es auch sein.

Für mich zeigt sich das, was das Gleitschirmmarketing "Leistung" nennt, immer im Zusammenspiel zwischen Flügel und Pilot (das Gurtzeug gehört auch noch zum Trio). Nach den Testflügen in sehr unterschiedlichen und teilweise anspruchsvollen Bedingungen kann ich ganz klar sagen: mit dem Volt 2 bleibe ich sicher gerne lange in der Luft, ich bin schnell oben, komme flott voran, und kann leicht zu gewinnende Höhe sehr gut in weite Strecke verwandeln. Genau das, was ich von einem guten Sport-Flügel erwarte!

Gesamteindruck

Von allen C-Flügeln, die ich bisher geflogen bin, ist der Volt 2 der komfortabelste. Das Starten ist supereinfach, sowohl bei null- als auch bei starkem Wind. Mit kurzen Steuerwegen und gutem Steuerdruck ist der Flügel exakt zu steuern und wendig. Er vermittelt sehr viel Vertrauen und für die Klasse überdurchschnittliche Flugruhe. Er teilt mir trotzdem genau mit, was in der Luft los ist, und spricht dabei eben angenehm leise. Für Piloten mit Aufmerksamkeit und Gefühl ist das sehr entspannend.

Ich habe den Eindruck von hervorragendem Steigen und Thermik-Handling, in allen anderen Performance-Parametern zieht der Volt 2 mit den Konkurrenten sicher mindestens gleich.
Wer also viel fliegt, gerne lange und auch weit, dabei entspannt unterwegs sein will, einige Übung im aktiven Fliegen hat, wer öfters mal in anspruchsvollen thermischen Bedingungen fliegt, wem kurze Steuerwege mit definiertem Steuerdruck gefallen, und wer sich über die sonstigen Anforderungen der C-Klasse im Klaren ist, dem kann ich den Volt 2 sehr empfehlen. Testschirme gibt's bei uns auf Anfrage.

(Thomas)

Weitere Informationen zum Volt 2 findet ihr auf der Website von Air Design >

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