Epische Flüge, lang und von denen wir abenteuerlich berichten, weil wir das Flugerlebnis einfach genießen konnten, davon träumen viele Flieger.

Mit dem Epic hab ich das jetzt eine Woche so erlebt.

Hier mein Testbericht:

Den Epic S (60-80kg) flog ich eine Woche lang in vorwiegend thermischen Bedingungen in den Südalpen über Silvester mit einem Gin Genie light 2 Gurtzeug.

Start

Das Sortieren der Leinen ist einfach. Die Leinen sind ummantelt und für jede Ebene farblich markiert, die Tragegurte sind schmal aber fest und deswegen sehr handlich. Die Handschlaufen sind schmal, mit einem festen aber herausnehmbaren Steg. Sie lassen sich nicht in der Größe verstellen (ein bisher noch nicht in Erfüllung gegangener Wunsch an die Handschlaufen und deren Hersteller).

gemeinsam fliegen meduno 200 2 540Beim Starten steigt die Kappe ruhig und eher langsam hoch und überschießt nicht. Die letzten 20 Grad, bis der Flügel wirklich über dem Piloten steht, sind verlangsamt, da ist Ruhe gefordert. In der Aufziehphase merkt man dem Schirm an, was sich in der Luft als Vorteil zeigt, er dreht auch mal um die Hochachse, nie schnell aber deutlich. Er braucht dann, anders als bei einem reinen A-Schirm, hin und wieder den Piloteneingriff oder man legt die Kappe einfach nochmal ab.

 Fliegen

Schon am ersten Flugtag spielt der Epic  seine Stärken aus. Nach dem Start gehe ich  nah an die felsige Hangkante, denn der Epic fühlt sich sofort sehr stabil an. Die erste Thermik kündigt sich neben dem Variopiepen gut spürbar über den Flügel  an. Eindrehen, auch überraschend enges Kurbeln ist möglich mit diesm low B-Schirm und schnell bin ich weit über dem Starplatz. Flugspaß vom Feinsten nach gerade mal 5 Minuten. Weitergleiten, aber die nächste Thermik lässt nicht lange auf sich warten, kündigt sich sauber über die Kappe und die Steuerdrücke an. Sehr drehwillig macht der EPIC, was ich von ihm will und zwar sofort. Die Steuerdrücke sind für mich dabei angenehm hoch und direkt, eine Stunde Thermikfliegen hinterlässt aber keinerlei Ermüdungserscheinungen in den Armen.

gemeinsam fliegen meduno 200 3 540Die Stabilität des Flügels zeigt sich auch beim ersten Versuch einen Klapper zu ziehen, das braucht mehr Kraftaufwand als gewohnt. Als es dann geschafft ist, klappt der Epic schnell wieder auf ohne wegzudrehen und mit wenig Höhenverlust.

Manöver

Der B-Stall brachte beachtliche 7,5 m Sinken, war allerdings nur unter großem Krafteinsatz zu bewerkstelligen.

Ohren anlegen funktioniert einfach, aber auch das kostet ein bisschen Kraft, denn ich muss die Ohren halten, wie sich das für die Klasse gehört. Sie liegen nicht ganz ruhig an, sind aber auch nicht auffällig unruhig. Dafür öffnen die Ohren sofort und selbständig sobald man die äußeren A-Tragegurte loslässt.

Das Beschleunigen wirkt klassengemäß, ohne stark erhöhte Sinkwerte.

gemeinsam fliegen meduno 209Zum Spiralen oder um es zu lernen ist der Epic das perfekte Fluggerät, er dreht willig ein lässt sich gut dosieren ohne eigenständig (wie sein großer Bruder der Base) weiter Fahrt aufzunehmen und geht beim Öffnen der Innenbremse auch wieder „langsam“ raus, das anschließende Abfangen ist einfach.

Hohes Rollen macht ebenfalls viel Spaß wegen seiner Wendigkeit um die Hochachse in Verbindung mit der sehr stabilen Kappe.

Der Epic sich lässt auch sehr gut über Gewichtsverlagerung steuern . (Ich flog immer mal wieder mit meinem Fotoapparat, also ohne die Hände an den Steuerleinen zu halten, und der Flügel folgte sehr harmonisch meinem anvisiertem Fotoobjekt.)

Beim Landen, was ich gerade verletzungsbedingt sehr vorsichtig mache, zeigt sich der Epic von seiner braven Seite. Leichtes Ausflaren ist einfach und so kann ich eben langsam und sanft aufsetzen .

Fazit

Das große Plus am EPIC ist für mich die hohe Thermiksensibilität und Drehfreudigkeit bei gleichzeitig stabilem Flügel und vermittelter Flugruhe.

Seine Grenzen findet er klassentypisch im Gleiten und der Geschwindigkeit

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Zielgruppe

Geeignet scheint er mir für alle, die aus ihrem A-Flügel herausgewachsen sind, sensibler für Thermik werden wollen und die ohne sich runter zu drehen auch schwache Thermik einmal ruhig ausfliegen wollen.

Außerdem scheint er mir perfekt für diejenigen, die Manöver wie Spiralen, Wing Overn mit Spaß und hohem Sicherheitsgefühl lernen wollen. (Ich bin keine Akropilotin, aber ich vermute, dass der EPIC einem Acroanfänger richtig Spaß macht.)

Oder für diejenige, die eigentlich viel zu oft von ihrem High B Schirm gestresst sind aber am liebsten am Berg oben mitfliegen wollen.

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