Leichtes Equipment liegt im Trend. Während die meisten Hersteller bereits eine breite Palette an Leichtflügeln im Programm haben, ist das Angebot an  alltagstauglichen leichten Gurtzeugen bisher eher spärlich.

Im XAlps-Fieber ist  ein wahrer Wettberwerb um das minimal mögliche Gewicht für ein Gurtzeug entstanden, auf  wirklich brauchbaren Rückenschutz oder vernünftige Haltbarkeit des Materials setzten allerdings bisher nur sehr wenige Hersteller den Focus. Doch allmählich erwacht das Bewusstsein, dass die Waage nicht das bestimmende Kriterium für  das Flugequipment sein kann. Schließlich bewegt sich der weitaus größte Teil der Fliegergemeinde überwiegend  in Fluggeländen, die  bequem per Auto oder Seilbahn erreichbar sind.

Ein wachsender Anteil Gleitschirmflieger hat allerdings bereits Lunte gerochen, dass es ab und zu wirklich schön sein kann, auch mal zum Startplatz zu laufen und insgesamt einfach weniger Ballast mit sich herum zu schleppen. So scheint die Zeit reif für Gurtzeuge, die zwar leicht, aber gleichzeitig alltagstauglich sind und deren Protektor nicht nur auf dem Prüfprotokoll, sondern in der Realität vernünftigen Schutz bietet.

NIviuk antwortet auf diese Herausforderung aktuell mit dem neuen Wende-Sitzgurtzeug Konvers 2. Wir haben es ausführlich getestet und es hat uns überzeugt!

Konstruktion

Als Rucksack besitzt das Konvers 2 ein gepolstertes, bequemes Tragesystem mit breitem Hüftgurt und belüftetem Rücken.  Der relativ schmale Schnitt unterstützt den Tragekomfort zusätzlich. Platz ist im Rucksack genug für einen normalen Flügel + Helm, Jacke sowie Handschuhe und Vario.  Mit einem Schirm  leichterer Bauart bleibt sogar noch Raum für die  Kamera, eine zweite Jacke oder ein dickes Vesper.

Gut gelöst: nach dem Wenden vom Rucksack zum Gurtzeug verschwindet das Tragesystem in  einer Reißverschlusstasche, die gleichzeitig auch das Fluggepäck aufnimmt. Das Ganze liegt somit optimal am Rücken an, gibt zusätzlichen Halt und hängt nicht - wie bei vielen anderen Wendegurtzeugen -  den Schwerpunkt verschiebend und störend irgendwo unter dem Hintern.

 Der Protektor ist ein selbstfüllender Airbag, der durch die eingebauten extrem leichten Nitrinol-Federn  schon vor dem Start seine Schutzwirkung entfaltet. Im Flug füllt sich über das große Ventil an der Unterseite auch der zusätzliche Rückenprotektor komplett. Abgesehen von Woody Valley Wani 2 und Wani Light und seinen baugleichen Ausgaben anderer Hersteller gibt es unseres Wissens derzeit kein anderes Wendegurtzeug mit einem vergleichbar guten Protektorsystem.  

gemeinsam fliegen 180916 001 540 2Auch beim umfunktionieren des Gurtzeugs zum Rucksack erweisen sich ebendiese Nitrinol-Federn als genial: das ganze Sitz-System samt Protektor lässt sich  ohne Mühe und sehr kompakt hinter einem Reißverschluss verstauen und es bleibt  bequem Raum für das restliche Equipment in dem insgesamt erstaunlich kompakten Rucksack.

 Das eher lange Sitzbrett erlaubt eine bequeme Sitzposition und gibt gute Unterstützung der Oberschenkel im Flug. Auch der Rücken ist  stabil unterstützt - ein sehr wesentliches Merkmal, das viele Konkurrenten vermissen lassen. In Kombination mit dem serienmäßigen Beinstrecker taugt das Konvers 2 durchaus für  ausgedehnte Thermik- und Streckenflüge.

Im Beinstrecker ist der Beschleuniger gleich integriert, man hat ihn also ohne Fummeln direkt parat und bei Start bzw. Landung baumelt nichts störend zwischen den Beinen herum.

Das Retterfach  unter dem Sitz nimmt jede normale Rettung auf. Eine elastische Innenhülle  hält  auch die extraleichten und kleinen  Notschirme verklemmsicher  und fix im Container.

Material und Gewicht

 Niviuk verwendet für das  Konvers 2 robustes  Cordura überall dort, wo es  im Alltag gebraucht wird. Auch die Beinschnallen sind solide, die Beingurte gepolstert. Komfort hat hier Priorität vor Spartanismus. 

Das immer noch erstaunlich geringe Gwicht von unter 3,5 kg in Größe M ist Resultat sehr durchdachter Materialwahl im Detail und eben einer ausgereiften Konstruktion.

Details

Viele gute gelöste Details  runden das Konvers 2 Paket ab: eine geräumige Deckeltasche mit separatem Innefach,  die Handytasche im Hüftgurt, solide  Spanngummis  am Rucksack, z.B. um die Jacke mal schnell außen zu verstauen, wenn es zu warm wird beim Aufstieg  sowie Netztaschen für  Trinkflaschen. 

Im Flug freut man sich über die gut zugängliche Seitentasche mit Reißverschluss für Müsliriegel und / oder Funkgerät, Schnallen, die sich nicht von selbst verstellen und auch den gleich paraten Beschleuniger.

Das perfekte Wendesystem, was wie schon beschrieben je nach Modus den Rucksack oder den Sitz optimal verstaut erweist sich im Alltag  in Kombi mit dem sehr klein komprimierbaren Airbag als Highlight.

Tragen

Die Rückenlände des  Rucksacks passt gut zu der des Sitzgurtes. Wer also beim Fliegen bequem sitzt, wird mit dem gepolsterten und belüfteten Tragesystem sowie der guten Gewichtsverteilung im Packsack auch entspannt am Berg ankommen.

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Fliegen

Natürlich ist ein Fluggefühl immer subjektiv. Meins war auf Anhieb sehr angenehm, obwohl ich mein Liegegurtzeug mit getrennten Beinschlaufen gewoht bin und liebe (Kortel Kuik II). Die Sitzposition ist kompakt und  bequem, Material und Konstruktion erwecken Vertrauen und vermitteln Sicherheit.

Wähend des Fluges kann ich problemlos zwischen »normaler« Sitzposition und Beinstreckermodus wechseln. Das ist besonders praktisch, wenn ich schnell mal den Beschleuniger benutzen möchte, aber ansonsten lieber ohne Beinstrecker fliege. Auch in rauher Thermik, beim Wingover oder beim Spiralen sitze ich im Konvers 2 sehr gut.

Die Aufhängungshöhe liegt im mittleren Bereich und erlaubt damit eine gute Kontrolle über den Flügel mit dem Sitzbrett, aber immer im entspannten Bereich.

Jede Kombination von Flügel , Gurtzeug und Pilot ist allerdings  immer als Ganzes zu sehen und deshalb ist ein Fluggefühl immer  individuell und subjektiv!

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Eignung

Im Gegensatz zum  Leichtgurtzeug Roomer 2 (siehe unseren Artikel »Die Leichtigkeit des Seins«), das  hauptsächlich für  Hike & Fly Touren  optimiert ist, eignet sich das Konvers 2 auch für den Dauereinsatz.  Das relativ geringe Mehrgewicht gegenüber den meist doch recht filigranen Super-Leichtgewichten machen auch bei Gebirgstouren mit langen Aufstiegen  die  Sicherheit direkt ab Start und der Komfort auch bei   ausgedehnten Thermikflügen mehr als wett.

Ideal ist das Konvers 2 dementsprechend für alle, die gerne sitzend fliegen, Freude an kurzen oder langen Aufstiegen zum Startplatz haben (oder anders gar nicht dort hin kommen) und kompromisslos sicher und gut fliegen möchten - und das am besten mit einem einzigen Gurtzeug.

Fazit

 Mit dem Konvers 2 ist Niviuk eine sehr gute Kombination aus Sicherheit, Leichtgewicht, Haltbarkeit und Komfort gelungen. Es schließt damit die wichtige Lücke zwischen den superleichten Gurtzeugen, die immer ein mehr oder weniger akzeptabler Kompromiss  sein müssen, und den Geräten der solideren Bauart, die dann aber auch deutlich mehr auf die Waage bringen.

Damit ist das Konvers 2 eine sehr gute Wahl für alle, die  geringes Gewicht suchen, aber ein alltagstaugliches Gurtzeug brauchen, mit dem man genausogut Wandern wie Fliegen kann.

Und last not least: es sieht auch noch elegant aus!

Konvers 2 Probefliegen

Wir haben das Konvers 2 aktuell in Größe M (Körpergröße ca. 170-180cm und Körpergewicht ca. 65 - 85kg) in der Flugschule. Gerne kannst du mit uns einen Termin zum Probesitzen, Probetragen und Probefliegen vereinbaren.

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