Mit dem Cure hat sich  Bruce Goldsmith Design vor drei Jahren schnell eine sehr große Fan-Gemeinde unter den ambitionierten Streckenpiloten erobert. Jetzt gibt es den Nachfolger Cure 2.

Wir waren sehr gespannt auf die ersten Testflüge! Aber zuerst noch ein Blick auf einige technische Details:

Cure 2 von Bruce Goldsmith Design - Test: Flugschule Gemeinsam-FliegenKonstruktion

Auf den Punkt gebracht: der Cure 2 repräsentiert den aktuellen Stand der Konstruktionstechnik. Während Haifischnase, das spezielle 3D Shaping von BGD (Cord Cut Billow) usw. schon Selbstverständlichkeiten sind, gibt es immer noch Fortschritte durch Detaillösungen, die der Performance spürbar zugute kommen. So z.B. das doppelte Tuch an der Flügelunterseite der Eintrittsöffnungen, das Post-C-Band oder die raffinierte Tragegurtkonstruktion für optimierte B-C-Steuerung.

Wer Genaues dazu wissen will, schaut sich am besten die Beschreibungen dazu auf der Website von BGD an.

Uns sind zunächst vor allem die langen Stäbchen aufgefallen, die auf fast 2/3 der Flügelspannweite von der Nase bis knapp zur Hinterkante reichen. An den jeweils 10 äußeren Zellen jeder Flügelseite  finden sich die Versteifungen nur an der Nase. In Kombination mit Profilauswahl sowie sehr genau abgestimmter Flügelgeometrie und Schänkung  ergibt sich daraus die von BGD so genannte progressive Stabilität.

Das  Resultat ist ein enorm stabiler Flügel, dessen Reaktionen auf Störungen   trotz der langen Versteifungen  im erlaubten Rahmen bleiben. Vor allem die Verhängertendenz ist minimiert und durch die etwas »beweglicheren« Außenseiten warnt der Flügel rechtzeitig vor (zu) starken Turbulenzen. 

Ausgeliefert wird der Cure 2  standardmäßig in einem simplen Innenpacksack. Für ein so hochwertiges Produkt wünschen wir uns einen Packschlauch, wie z.B. den neuen rafffinierten und leichten von BGD. Das schont die Flügelversteifungen beim Packen und ist gleichzeitig nachhaltig - denn den original-Innenpacksack braucht man höchtens für die Reisewäsche.

gemeinsam fliegen 20191016 001 540Fliegen

Genug der technischen Details, uns hat vor allem das Fliegen interessiert! Nach kürzeren ersten Flügen im Odenwald gab es endlich sehr gute Testbedingungen in der Pfalz. Geflogen bin ich den Cure M (zugelassen: 75-95 kg, empfohlen: 83-93 kg) mit 95 kg Fluggewicht und dem Gurtzeug Delight 3 von SupAir.

Start

Schon der erste Start an einem eher schwierigen Startplatz erwies sich als einfach: Der Flügel füllt schnell, steigt zügig und bleibt mit moderatem Anbremsen stabil über mir. Trotz der zügigen Trimmgeschwindigkeit hebt der Cure 2 rasch ab und startet flach. Sehr angenehm! Auch die weiteren Starts erweisen sich trotz des anspruchsvollen Startplatzes am Donnersberg als wirklich einfach.

Fluggefühl

In der Luft fühlt sich alles sehr stabil an, spontan noch ruhiger und komfortabler als z.B. beim kleinem Bruder, dem Punk (High-B). Auf das Feedback vom Flügel muss ich mich erst mal eine Weile einstellen, es ist für mich in der C-Klasse ungewohnt leise über die Bremsen und etwas deutlicher über das Gurtzeug. Allerdings reagiert der Cure 2 auch auf kleine Steuerbewegungen prompt und lässt sich so in bewegter Luft ermüdungsfrei ruhig halten. Klar, hier sind Gefühl und Erfahrung gefragt, gröbere Pilotenreaktionen mag so ein High-End Flügel nicht wirklich. Aber so soll es in der C-Klasse ja auch sein: wenig Input und adäquate, präzise Reaktion.

Insgesamt fliegt sich der Cure 2 sehr einfach, d.h. er tut genau das, was der Pilot ihm durch Steuerimpulse übermittelt, präzise, ohne Verzögerung und mit einer sehr gut dosierten Dynamik. Dabei fühle ich mich auch in deutlich bewegter sehr wohl unter dem Flügel und bekomme genau so viel über die Luftbewegungen mitgeteilt wie ich wissen will und zur richtigen Einschätzung der Situation auch wissen muss, aber auch nur so viel und nicht unnötig mehr.

gemeinsam fliegen 20191028 006 540Handling

Der Steuerdruck ist geringer als beim Vorgänger und zur Kurveneinleitung darf man schon ein paar Zentimeter mehr ziehen. Wichtig: die Außenbremse ganz auf!

Auf Gewichtsverlagerung reagiert der Cure 2 gut, kleine Körperbewegungen reichen in turbulenten Bedingungen, um die Laufruhe zu unterstützen. Bei etwas mehr Körpereinsatz geht der Cure 2 zügig in die Kurve, sehr viel Gewichtsverlagerung bringt dabei kaum mehr. Ich empfinde das als sehr gut, so ist es einfach, mit entsprechend dosierter Innenbremse saubere und runde Kurven zu fliegen.

Dynamik, etwa beim Wingover, nimmt der Cure 2 genau in dem Maße auf, wie man es von ihm fordert. Dabei gibt er sich enorm stabil, ohne jegliche Andeutung, einklappen zu wollen. Super: das Dynamikverhalten ist exakt proportional zu den Steuerinputs, es gibt keine plötzliche Überreaktion wie bei so manchem anderen Flügel!

Was mir auch sehr gut gefällt: der Cure 2 setzt Dynamik sofort wieder in Höhe um, sobald man den Kurvenradius vergrößert oder wieder geradeaus fliegt.

Im Vergleich zu seinen Kollegen aus derselben Familie ist sein Vorgänger, der Ur-Cure, etwas direkter - dafür ist der 2er aber ruhiger und einfacher zu fliegen in turbulenter Luft. Der Lynx ist noch ein Spur leichtgängiger in der Steuerung über die Bremsen, der Cure 2 dagegen entspannter zu fliegen.

Die Steuerwege liegen in einem angenehmen Bereich, der Stallpunkt kündigt sich durch Druckanstieg deutlich und rechtzeitig an. Dabei sind die Bereiche für »den Flügel auf Spur halten« sowie »Kurven fliegen« deutlich getrennt (ersteres regelt man mit den ersten 10-15 cm Bremsweg, das zweite ab ca. 20 cm) und liegen genau so, dass die Hände in optimaler Position entspannt in den Steuerschlaufen hängen können - das mag natürlich auch abhängig sein von den Körperproportionen, bei mir passt es aber sehr gut!

gemeinsam fliegen 191025 001 540In der Thermik

Spontan habe ich den Eindruck, dass der Cure 2 Steigen sehr gut mitnimmt. Beim Test waren am Berg eher schwache Bedingungen mit zerrissener und verblasener Thermik, selten ein guter Bart mit durchgängig ordentlichem Steigen. Lässt man den Cure fliegen, also Bremsen auf und »der Nase nach«, findet der Flügel die Thermik von selbst und nimmt jede Blase gut mit.

In den windversetzten Schläuchen musste ich mich ans Zentrieren allerdings erst mal gewöhnen. Den Versuch, ständig nachzentrieren  zu wollen beantwortet der Cure 2 zunächst eher etwas zögerlich. Nach einer Weile hatte ich aber den Dreh raus: der Flügel steigt besser - und dann hervorragend! - wenn er in  gleichmäßigen Kreisen bleiben darf. Das Eigensinken ist dabei so gering, dass man den Windversatz nur wenig nachkorrigieren muss (zur Erläuterung: bei stärkerem Eigensinken  fällt man bei Windversatz ohne nach zu zentrieren schneller leeseitig aus der Thermik).

Aufstellen oder Rauskippen kennt der Cure 2 kaum, der stabile Flügel nimmt die Thermik ähnlich einem Selgelflugzeug oder Starrflügler sehr effektiv mit ohne viel Korrekturbedarf. Steile Kurven mag er dabei ebenso wie flache. Eng und gleichzeitig flach zu drehen, braucht wie immer eine etwas fortgeschrittene Kurventechnik, funktioniert aber ebenfalls tadellos.

Insgesamt gefällt mir das Thermikhandling, obwohl ich etwas ganz anderes gewöhnt bin. Und trotz Fluggewicht an der Obergrenze ist das Steigen wirklich super.

gemeinsam fliegen 20191028 010 540Gleiten

Gespannt war ich auf das Gleiten, vor allem gegen den Wind. Gut, es ist immer subjektiv wirklich messen kann man es nicht. Beobachten aber schon. Mit dem Cure 2 konnte ich beim Testen deutlich flacher, weiter und schneller gleiten, als alle anderen am Berg und zurück aus der Ebene kam ich auch wieder ungewohnt hoch an.

Die Polare zeigt sich flach, beschleunigt geht es einfach nur vorwärts und gegen den Wind ist der Cure 2 die reine Freude. Effektiv funktioniert die C-Steuerung. An den Schlaufen des C-Gurtes ist der Steuerdruck zwar sehr hoch, gut funktioniert aber die kombinierte B-C-Anlenkung über den Verbindungssteg zwischen B- und C-Gurt. So ist es vom Konstrukteur auch gedacht.

Beim Landen führt der Cure 2 seine Qualitäten übrigens sehr eindrücklich vor: man darf den Endanflug ruhig tiefer ansetzen, als gewohnt! Sonst ist der Landeplatz schnell mal zu kurz.

gemeinsam fliegen 20191028 009 540Manöver

Die Standardmanöver fliegen sich mit dem Cure 2 einfach. Nicken lässt sich sehr schnell stoppen, beim Rollen macht der Flügel genau was er soll und riesig Spaß! Die Wings sind mit wenig »aufschaukeln« schnell hoch, lassen sich sehr präzise ausfliegen und in jeder Phase perfekt kontrollieren. Bravo!

Ebenso schnell und mit kaum Höhenverlust hat man den Flügel auch wieder stabilisiert.

Sehr positiv überrascht bin ich vom Ohren anlegen. So einfach und ohne jegliche Tendenz zu schlagen kenne ich das nur von Low-B Flügeln. Die Sinkwerte sind dabei passabel. Es braucht kaum Kraft, die Ohren zu halten und sie gehen einwandfrei zügig wieder auf. Von selbst!

Für einen C-Flügel ist dies ein ganz enormes Sicherheitsplus. Gerade wenn es turbulent und stressig wirkt sich einfaches und komfortables Runterkommen auf die mentale und physische Verfassung sehr positiv aus!

Auch mein Lieblingsmanöver, die Spirale funktioniert exzellent. Einfach einzuleiten, ohne markantes Abkippen. Die Sinkwerte lassen sich gut dosieren und die Ausleitung gelingt überdurchschnittlich einfach für die C-Klasse. Dynamik baut der Flügel trotzdem auf, die will über etwas Nachdrehen dosiert abgebaut werden.

gemeinsam fliegen 20191028 001 540 2Klapper

Beim Klapper zeigt der Cure 2 wo er hin gehört! In jedem Fall in die C-Klasse und über erfahrene und gut trainierte Pilotinnen und Piloten! Vermutlich ist der Flügel sehr klappstabil und kündigt - anderes als so mancher überdämpfte andere - brenzlige Bedingungen rechtzeitig an. Wenn man dies aber ignoriert und der Flügel dann mal großflächig klappt, dreht er auch schnell und dynamisch weg. Sehr gut: er öffnet auch zügig wieder, nur die Flügelspitze etwas verzögert, was unangenehmes Schnalzen verhindert.

Rasche und richtige Pilotenreaktion sind bei Störungen mit dem Cure 2 allerdings von großem Vorteil, er gehört eben zur C-Klasse.

Resumé

Nach den ersten längeren Flügen beeindruckt mich der Cure 2 vor allem durch sein einfaches und komfortables Flugverhalten. Dazu kommen schönes Handling, gutes Steigen, sehr gutes Gleiten und eine sehr ausgewogene Dynamik.

Insgesamt gefällt mir der Cure 2 durch ein harmonisches Gesamtkonzept: Steuerdruck, Steuerweg, Reaktion, Start- und Landeverhalten, Kurvenhandling: alles passt zusammen und funktioniert intuitiv.

Das komfortable Flugverhalten wird sich vor allem bei langen Flügen in den Bergen mit starker Thermik sehr positiv bemerkbar machen und die guten Thermik-Eigenschaften  auch bei schwachem und zerrissenem Steigen lassen den Cure 2  genauso im Flachland glänzen.

Für ambitionierte Streckenflieger ist der Cure 2 sicher eine sehr gute Wahl, solide Erfahrung und gutes Training vorausgesetzt! Der grundsätzlich einfach zu fliegende Flügel könnte bei Störungen so manchen überraschen. Er ist eben ein reinrassiger C-Flügel. Wer diese Kategorie im Extremverhalten beherrscht, hat mit dem Cure 2 sicher sehr viel Freude.

A propos Glänzen: Der Cure 2 ist so ganz nebenbei konkurrenzlos schön!

Glückwunsch Bruce Goldsmith, der Cure 2 ist eine echte Weiterentwicklung zum schon legendären und ausgesprochen gelungenen Ur-Cure.

 (Thomas)

Wenn du den Cure 2 selbst testen möchtest, schreib uns bitte eine mail  (Fluggewicht nicht vergessen) >

gemeinsam fliegen 20191028 002 540gemeinsam fliegen 20191028 003 540gemeinsam fliegen 20191028 011 540