Um das Vario optimal nutzen zu können, ist zunächst ein kurzer Blick auf die Funktionsweise hilfreich:

Wie funktioniert ein Variometer?

Bei Steigen bzw. Sinken ändert sich die Flughöhe und damit auch der Luftdruck. Sensible Drucksensoren können selbst kleinste Luftdruckänderungen messen. Klassische Variometer basieren deshalb auf Drucksensoren und zeigen die Veränderung des Luftdrucks als Vertikalgeschwindigkeit (m/s) an.

Zusätzlich »übersetzt« ein Variometer die aktuelle Vertikalgeschwindigkeit in ein akustisches Signal. Typischer Weise verändert sich die Tonhöhe je nach Steig- bzw. Sinkgeschwindigkeit (»Vario-Pieps«). Wie sich diese Informationen dem Piloten präsentieren, lässt sich sich in der Regel mit diversen Konfigurations-Parametern am Gerät einstellen. Erst mit einer optimalen Vario-Einstellung wird das Flugistrument zu einer wirklich guten Thermikhilfe. Was optimal ist, hängt wiederum von den Flugbedingungen  ab.

Ein kleiner Nachteil der Vertikalgeschwindigkeits-Messung über den Luftdruck ist eine gewisse Zeitverzögerung, d.h. die Vario-Anzeige bzw. die Tonhöhenänderung hinkt der tatsächlichen Änderung der Vertikalgeschwindigkeit immer etwas hinterher.

Einige Variometer berechnen die Vertikalgeschwindigkeit deshalb zusätzlich über Beschleunigungssensoren. Diese arbeiten nahezu verzögerungsfrei und sehr präzise. Ausgehend von der aktuellen Steig- bzw. Sinkrate in und den Beschleunigungswerten (Geschwindigkeitsänderung) berechnet das Fluginstrument  die Vertikalgeschwindigkeit verzögerungsfrei. Das Vario kann somit extrem schnell und  auf Veränderungen des Steigens bzw. Sinkens des Fluggeräts ansprechen.

Wie gut das Fluginstrument dies  in brauchbare Informationen für den Benutzer umsetzt, hängt wiederum von der  Software ab, welche die recht komplexen Daten des Druck- und der Beschleunigungssensoren auswertet. Auch bei einem solchen Vario wirkt eine gute Einstellung der Konfigurations-Parameter oft Wunder beim Thermikfliegen!

 

Aktuelles Steigen und integriertes Steigen

Das akustische Signal (Pieps) orientiert sich immer am aktuellen Steig- bzw. Sinkwert. Das Display kann außer der aktuellen Vertikalgeschwindigkeit (meist quasi analoge Anzeige auf einer Skala) zusätzlich einen über eine bestimmte Integrationszeit gemittelten Wert anzeigen (Anzeige meist als Zahl auf dem Display). Die sog. integrierte Vario-Anzeige informiert über das durchschnittliche Steigen bzw. Sinken während der letzten Sekunden. Es empfiehlt sich, für diese »letzten Sekunden« einen sinnvollen Wert einzustellen. Als Parameter im Konfigurtions-Menü des Varios heißt das »Vario Integralzeit« oder ähnlich.

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Oft ist es gerade beim Einstieg in die Thermik schwierig zu entscheiden, ob sich ein Eindrehen lohnt. Bis man den Kern der Thermik gefunden hat, wechseln sich oft Steigen und Sinken ab. Ein Eindrehen in die Thermik lohnt sich aber, wenn man im Mittel  während eines halben Thermikkreises Höhe gewinnt.  Stellt man die Integrationszeit für die Vario-Anzeige auf etwa die Zeit für einen halben Thermikkreis,  gibt dies einen guten Anhaltspunkt, ob sich das Zentrieren der Thermik lohnt.

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Das Vario (Skytraxx 3.0) zeigt im Beispiel am linken Rand das aktuelle Steiegen (grüner Balken) mit  1 m/s und das integrierte Steigen (roter Pfeil links und Vario 7s) mit 2,3 m/s.

 

Das Variometer richtig einstellen

Einige Empfehlungen für Parameter, die sich bei den meisten Varios einstellen lassen:

  • Piepsen vor dem Start: Bei Einstellung »Aus« piepst das Vario erst, nachdem das Gerät den Start des Fluges erkannt hat (empfohlene Einstellung). Bei Einstellung »An« piepst das Vario bei jeder Vertikalbewegung oder kleinen Luftdruckänderung (Einstellung zum Testen der Empfindlichkeit) - nervt am Startplatz, vor allem die anderen!
  • Vario-Empfindlichkei (bei manchen Varios heißt das auch »Dämpfung«): gibt an, wie schnell das Gerät auf Luftdruckänderungen anspricht.
  • Bei Geräten mit Druck + Beschleunigungssensoren (z.B. Syktraxx 3.0): Anpassung der Kombination zwischen klassischem Variometer (Messung der Luftdruckänderung) und Steig- / Sinkratenmessung über die Beschleunigungssensoren. In der Praxis haben sich Werte zwischen 60% und 80% des Maximalwertes bewährt. Je höher die Empfindlichkeit eingestellt ist, desto eher piepst das Vario bei der kleinsten Vertikalbewegung. In turbulenter Luft kann dies gerade für weniger erfahrene Piloten eher verwirrend, als hilfreich sein. Bei schwacher Thermik oder bei Soaren ist dagegen eine hohe Vario-Empfinglichkeit nützlich.
  • Steigtoneinsatz: Diese Einstellung legt fest, ab welchem Steigwert das Vario zu piepsen beginnt. In der Praxis haben sich Werte zwischen 0,2m/sek. und 0,4m/sek. bewährt. Im Flachland und beim Soaren wird man niedrige Werte wählen, bei Frühjahrsthermik in den Alpen eher etwas höhere.
  • Sinkton ein / aus: Sinkton grundsätzlich aktiveren oder  ausschalten. In der Regel ist der Sinkton eine wenig nützliche Information, da man den Wert auch auf dem Display sieht und das Sinken normaler Weise eher schnell durchfliegt, als es zu zentrieren.
  • Sinktoneinsatz: Diese Einstellung legt fest, ab welchem Sinkwert das Vario den Sinkton ausgibt (s.o.).Manche Piloten stellen die Sinktonschwelle auf den Sionkwert des besten Gleitens ihres Flügels ein. Er schlägt dann immer an, wenn man sich in sinkender Luft befindet und kann somit als Hinweis dienen, den Beschleuniger zu benutzen.
  • Vario-Integralzeit:  In der Praxis haben sich Werte zwischen 5 und 8 Sekunden bewährt (s.o.).
  • Variometer-Tonprofile: individuelle Konfiguration der Vario-Töne (z.B. beim Skytraxx 3.0)

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Grafischer Editor für Tonprofile beim Skytraxx 3.0

>Einstellungen >Variometer >Vario Tonprofile >Editieren / Testen

Der Editor zeigt ein Koordinatensystem mit x- und y-Achse sowie drei unterschiedlichen Kurven und einen senkrechten Strich (orange):

x-Achse: Steigen (rechts der Mitte) / Sinken (links der Mitte) in m/s.

y-Achse: Frequenz, Dauer und Auslastungsgrad, je nach Kurve:

Frequenz (rote Kurve): Tonhöhe des Pieps-Tons. Je größer der y-Wert, desto höher der Piepston.

Pause (grüne Kurve): Piepsintervall bzw. Dauer der Pause zwischen den Pieps-Tönen. Je niedriger der y-Wert, desto kürzer ist das Piepsintervall.

Dauer (blaue Kurve): Dauer des Pieps-Tons. Je gößer der y-Wert, desto länger der Pieps. Bei langem Pieps und niedriger Frequenz erhält man ein Brummen.

Senkrechter Strich (orange): Steig- bzw. Sinkwert (in m/s).

  • Zum editieren einer Kurve bewegt man durch Neigen des Geräts nach rechts bzw. links den Steigwert (orange) über das Display bis zu einem markierten Punkt. Dann mit >OK Punkt auswählen und durch Neigen des Gerätes nach oben bzw. unten den Punkt verschieben. Mit >OK die neue Position fixieren.
  • Umschalten zwischen den Kurven mit >auf / >ab.
  • Mit >Menü / Zurück speichert man das editierte Profil unter dem bisherigen Namen. Für einen neuen Profil-Namen >Speichern unter wählen und anschließen den neuen Profilnamen eingeben.

Einstellen der Tonfrequenz in Abhängigkeit vom Steigwert (rote Kurve). Im Beispiel ändert sich die Frequenz bei den geringen Steigwerten schnell, bei höheren langsamer. Bei schwachem Steigen erhält man so eine gute Unterstützung zum Zentrieren.

Einstellen der Pause zwischen den Piepstönen (blaue Kurve). Im Beispiel ist die Pause (der Zeitabstand zwischen den einzelnen Piepstönen) bei allen Steig- und bei allen Sinkwerten jeweils unverändert.

Einstellen der Piepsdauer (grüne Kurve). Im Beispiel ist der Pieps bei schwachem Steigen etwas länger und nimmt mit zunehmendem Steigen ab. Dies hat den Vorteil, dass die hohe Freuquenz bei stärkerem Steigen weniger nervt.

 

Anpassung an Flugbedingungen

Je nach Jahrezeit oder Fluggebiet kann es sinnvoll sein, die Tonkurven des Varios für die entsprechenden Steigwerte anzupassen und sich ggf. eigene Tonprofile abzuspeichern.

  • Bei schwacher Thermik (z.B. im Flachland, beim Soaren oder im Winter) empfiehlt sich ein gleichmäßiger Anstieg der Tonhöhe (rot) sowie ein schneller Abfall des Piepsintervalls (grün) zwischen ca. 0.2 m/s und 1.5 m/s Steigen mit maximaler Frequenz bei z.B. 3 m/s.
  • Bei starker Thermik, z.B. im Frühling oder im Hochgebirge, ist eine detaillierte Auflösung auch bei höheren Steigwerten sinnvoll und bei schwächerem Steigen weniger wichtig. Dies erreicht man durch eine eher gleichmäßig ansteigende Frequenzkurve (rot) und eine gleichmäßig abfallende Intervallkurve (grün).
  • Eine detaillierte Auflösung der Steigwerte für schwächere und zerrissene Thermik (z.B. beim Thermik-Einstieg und eine weniger detaillierte Auflösung für stärkere Thermik erreicht man durch einen steilen Anstieg der Tonhöhe (rot) z.b. bis 2 m/s und eine deutliche Abflachung der Kurve bei höheren Steigwerten. Diese Einstellung ist für Flüge im Mittelgebirge ideal.
  • Einen Brummton bei starken Sinkwerten erreicht man durch einen hohen Wert der Auslastung (blau) in Kombination mit einer tiefen Frequenz (rot).

 

Empfehlung: Vario Einstellungen für das Skytraxx 2.0 und 2.0 PLUS

 Menü >Parameter

  • Steigtoneinsatz: 0,2 m/s

Menü >Parameter >Expert Settings

  • Basistonhöhe Steigen: 700 Hz
  • Vario-Integrationszeit: 7 Sek.
  • Tonanstieg: 1,6
  • Tonintervall: 2
  • Max. Tonfrequenz: 4000 Hz
  • Vario-Sensibilität: 5

 

Empfehlung: Vario Einstellungen für das Skytraxx 3.0

Beim Skytraxx 3.0 lassen sich die Vario-Einstellungen sehr detailliert mit Hilfe des Vario Ton-Editors konfigurieren.

Eine Konfigurationsdatei für Mittelgebirgs- und Flachland-Thermik kannst du hier herunterladen > und nach dem Entpacken in das Verzeichnis vario_tones auf dem Skytraxx 3.0 kopieren.

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