Ja, es ist heiß. Sehr heiß sogar. Und das schon seit einiger Zeit. Allerdings: während ich diesen Artikel schreibe, hat es gerade angenehm abgekühlt - durch ein Hitzegewitter.

Und weil sich das mediale Sommerloch gerade die Hitze zum Lieblingsthema erkoren hat, finden sich inzwischen allerlei weise Erklärungen, warum es gerade so heiß ist, wie es ist.

Klar, es muss irgendwie am Klimawandel liegen, aber wie denn eigentlich genau? So genau wissen das die Experten momentan noch nicht, aber die Journalisten brauchen halt Stoff. Und was tut man als Journalist, wenn man selbst keine Ahnung hat, die Experten für Interviews im Urlaub vermutet werden und es sowieso zu heiß ist zum Selberdenken?

Die Lösung des 21. Jahrhunderts ist natürlich das Internet! Hier findet sich alles und für alles auch eine Erklärung. Egal, wer sie da rein geschrieben hat. Da findet sich zum Beispiel ein Zusammenhang von Omega und Hitzewelle, irgendwas von Jet-Stream und Wärmeaustausch, von Höhenwind und Rosby-Wellen, von geringeren Temperaturunterschieden zwischen den nördlichen Klimazonen, von Stau im Höhenwind (was auch immer das sei …) und allerlei andere wohlklingende Fachbegriffe.

gemeinsam fliegen 20170527 085 540Und weil der vermutete Leser oder Zuhörer wahrscheinlich so wenig Ahnung hat, wie der Journalist selbst, ist es auch recht egal, was man da so hin schreibt. Hauptsache die Stichworte kommen vor und damit es nicht ganz so schnell auffällt, dass man abgeschrieben hat, sortiert man sie einfach in eine andere Reihenfolge. Und schon ist das Sommerloch wieder mit einem vermeintlich spannenden Thema gefüllt und der Leser, Zuschauer oder Zuhörer staunt über die guten Erklärungen der globalen Zusammenhänge zwischen der aktuellen Hitze und dem Klimawandel.

knmi analyse 2018072518Nur soviel: ein Omegahoch kann ich in den Wetterkarten der vergangenen Wochen allenfalls andeutungs- und tageweise ausmachen, viel mehr dominiert eine  lang anhaltende Flachdrucklage - von Hoch kann man fast gar nicht sprechen. Ortsfest ist das Omega auch nicht, denn der Hochdruckkern verschiebt sich immer wieder zwischen den britischen Inseln und Russland.

knmi AL0818 largeOrtsfest ist - wenn überhaupt - die mit enormem Temperaturunterschied aufeinandertreffenden Meeresströmungen im NW-Atlantik,  Auslöser für die atlantischen Tiefs,   welche wiederum den Jet-Stream beständig sehr stark nach Norden ablenken und ihn dabei stark abschwächen.   Ein recht beständiges Azorenhoch spielt ebenfalls mit. 

In jedem Fall besteht derzeit eine Großwetterlage, die für unseren Raum eine mehr oder weniger konstante Auswirkung hat, auch wenn sich die Situation in der Umgebung (also einige tausend Kilometer drum herum) ständig doch recht stark verändert - im Unterschied zu einem stabilen Omega-Hoch.

Ganz sicher hat das Ganze auch etwas mit dem Klimawandel zu tun. Die Experten forschen daran. Wir können derzeit nur beobachten, dass vieles anderes ist, als gewohnt - und dass die Wettermodelle mit der Situation überfordert sind - und viele Journalisten sowieso.

Ja,  es ist heiß und es wird wahrscheinlich auch noch eine Weile so bleiben (oder auch nicht) … aber immerhin gibt es viele tolle Flugtage mit hoher Basis. Und ganz da oben ist es angenehm kühl! gemeinsam fliegen 180723 001 540

P.S. gute Artikel zum Thema finden sich hier:

https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/hitze-ohne-ende

https://lu-glidz.blogspot.com/2013/11/die-folgen-des-schwachen-jetstreams.html