Manchmal sind die Prognosen ja besser, als die tatsächlichen Verhältnisse. Am Sonntag, den 14. April, war es tatsächlich umgekehrt.

Endlich Frühling! Frühling? Fast schon sommerliche Temperaturen, und das mit noch recht beeindruckenden Schneeresten am Startplatz. Die Erwartungen sind groß und so sind wir schon früh am Berg. Aber erst mal einfliegen bei einem gemütlichen Abgleiter, denn für unsere Freunde aus der Schweiz ist dies der erste Flugtag nach einer längeren Nachwuchs-bedingten Pause.

gschasi 0003Allmählich kreisen die ersten Vögel in der erwachenden Thermik am Schwarzwälder Gschasi und schnell ergattern wir uns die Plätze im Startplatzshuttle für eine zweite Runde. Dabei freue ich mich zum wiederholten Male über die unkomplizierte Gastfreundschaft der Eltalflieger, kein Gedrängel, nur gute Laune ausgesprochen freundlicher Fliegerkolleg(inn)en.

Jutta ist am Start rasch parat, schließlich ist sie ganz gespannt darauf, den neuen Chilli zu testen. Und schnell hängt sie hoch über dem Berg, die Thermik scheint schon zuverlässig , dabei überraschend sanft.

Ich schnappe mir mit Sonja den Tandem, während Clemens ganz heiß darauf ist, nach den Abgleit- nun auch die Aufsteig-Eigenschaften seines nagelneuen P45 auszuprobieren. Der Jubelschrei nach den ersten Höhenmetern gleich nach dem Start ist weit über den sonst eher friedlich-stillen Schwarzwaldberg zu hören. Mit unserem etwas behäbigeren Gerät brauchen wir ein paar Hangschleifen länger bis über die Gräte, aber dann geht es erst mal fast wie von selbst.

gschasi 0002Unglaublich klar die Sicht heute! Von hier aus habe ich bisher noch höchst selten die Alpen gesehen, heute präsentieren sie in voller Breite ihre schneebedeckte Pracht von der Zugspitze bis zum Mont Blanc. Uns fehlen die Worte und ersatzweise entfahren mir abwechselnd mit lauten Jublern "Wahnsinn", "G...", und was man bei diesen seltenen Gelegenheiten sonst so alles stammelt, wenn einem nichts anderes einfällt. Dann schalte ich als Übersprungshandlung kurz in den Fluglehrermodus und fange an, Gelände, Thermik und Konvergenzen zu erklären, bis ich schnell merke, dass Sonja's genießendes Staunen viel schlauer ist, als die Quasselei.

Zwei Stunden sind (wie) im Flug vorbei und trotz der sehr angenehmen Steuerkräfte und der Wendigkeit unseres guten PBi 6 macht sich in den untrainierten Oberarmen das Wetter der langen Wintermonate bemerkbar. Beim genüsslichen Ausgleiten der fast 1500 Höhenmeter über dem Landeplatz drehen wir noch eine große Schleife über den oberen Elztalknick und bestaunen die grandiose Aussicht vom Schweizer Jura über die weißgipfeligen Vogesen bis weit in die Pfalz.

Heute ist Fliegen genau das, wovon vermutlich seit Jahrtausenden die ganze Menschheit träumt. OLC-Punkte, AirTime und Höhenmeter erscheinen als vollkommen lächerliche Unwichtigkeiten in diesem unendlichen Augenblick von Himmel.

Als wir vollkommen euphorisiert landen, ist Jutta vom Chili-Test ebenfalls wieder am Boden und im Strahlen der Augen spiegelt sich das ganz besondere Flugerlebnis des ersten Frühlingstages in diesem Jahr genauso wieder, wie in der auffällig sorgfältigen Schirm-Pack-Zeremonie ihres Sohnes René oder so manch redseligem Landebier unter dem Sonnendach der gemütlichen Elztalflieger-Grillhütte.

Wir beschließen, den Tag noch mit einem guten italienischen Saison-Premiere Eisbecher in Elzach zu krönen und der leckere Blutzucker-Nachschub erweist sich als passende Ergänzungsdroge zu unserem totalen Glücksrausch.

(Thomas)