Pfingsten naht, und natürlich stellt sich wieder einmal die Frage: wohin zum Fliegen? Zuhause bleiben oder doch weg fahren? Der kluge Leser ahnt schon aus der Überschrift, dass möglicher Weise kein Traumwetter bevorsteht. Aber wie schon so oft in diesem Jahr: wir dürfen dennoch hoffen!

Lassen wir dieses Mal die nordpazifischen, mexikanischen und westgrönländischen Ursachen beiseite und nehmen wir den Ist-Zustand einfach als gegeben hin. Dieser besteht im wesentlichen aus dem Azorenhoch, einer Perlenkette von nordatlantischen Tiefs und einem hartnäckigen Genua-Höhen-Tief. Klein, aber sehr dominant dirigiert dieser Kaltlufttropfen in den nächsten Tagen unser Wetter, zumindest im Schwarzwald un der gesamten Alpenregion.

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Blick auf die Höhenwetterkarten

Allerdings hat das Spiel der Luftmassengegensätze zwischen kalter Polarluft aus Norden und feucht-warmer Mittelmeerluft aus Süden regional und temporär sehr unterschiedliche Auswirkungen. Zum besseren Verständnis der Sitution hilft ein Blick auf die 500-hpa Höhenwetterkarten.

Man kann sich diese vorstellen wie eine topografische Landkarte mit Höhenlinien, denn die 500 hpa-Karten zeigen an, auf welcher Höhe (über NN) sich die 500 hpa Druckfläche befindet. So entsteht quasi ein Bild von Luft-Bergen und -Tälern, das übrigens (fast) völlig unabhängig von der Meereshöhe der darunter liegenden Erdoberfläche ist. Auch hier überspringen wir jetzt mal das "fast", denn es geht ja um das Pfingstwetter.

54 1 400Die 500 hpa Höhenlinien, auch Geopotential genannt, sind auf den Karten in unterschiedlichen Farben dargestellt. Man sieht sofort, dass es in den grün- blau- bis violetten "Luftdruckmulden" kühl bis kalt sein muss , in den Luftdruckbergen dagegen wärmer. Über dem Golf von Genua findet sich ein regelrechtes "Loch" abgeschnürt von der sonst eher wellenförmig verlaufenden Grenzlinie (auch Frontalzone genannt) zwischen "zu hoch" und "zu tief", bezogen auf die "Normalhöhe" von ca. 5500m für 500 hpa.

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Mittelmeer-Tief

Befindet sich ein solcher Kaltlufttropfen über Frankreich oder Spanien, füllt er sich meist sehr schnell mit am Boden zuströmender Luft (entlang des Druckgradienten) aus der Umgebung auf. Anders jedoch, wenn im Norden die Alpen diesen Luftstrom blockieren. Dann zapft das Tief kalte Luft aus der nördlichen Höhenströmung ab und aus Süden ständig die feuchte Warmluft vom Boden. Entlang der Alpen bildet sich so eine massive und aktive Front, die sich kaum bewegt. Durch die großen Temperaturunterschiede und die Luftfeuchtigkeit vom Mittelmeer labilisiert sich das System ständig selbst. Deshalb kann so ein Genua-Tief sehr hartnäckig sein.

Und dessen Auswirkungen sind - wie in unserem Fall - meist bis weit nördlich der Alpen zu spüren. Und auch die besten Wettermodelle wissen nie genau, wie lange das Spiel dauert.

Pfingstwetter konkret

Was heißt das nun fürs Pfingstwetter konkret? Am besten aufgehoben sind wir im Keil des Azorenhochs, das sich von Frankreich her zwischen die Perlenkette im Norden und den Genua-Schlamassel schiebt. Das ist etwa zwischen der Bretagne und Hannover. Recht brauchbar sieht es vor allem im mittleren Westen Deutschlands aus, vor allem rund um die bekannten Mosel-Fluggebiete. Der Hot-Spot dürfte Burgen Veldenz werden.

Gegen den Rand des Hochs hin wird es windiger, im Norden der Alpen staut sich Bewölkung und es wird nass, im Tessin gibt es Föhn und ansonsten ist es vom Gardasee bis nach Slowenien ebenfalls nass bis föhnig. Inneralpin kann man im frischen Tiefschnee cruisen. Auch der Joker Bassano wird diemal nicht funktionieren, selbst wenn einige hartgesottene Jungs wieder soganannte tolle Flüge in den XC-Server stellen sollten. Wie voll die Hosen dabei zwischen Föhn und hochlabiler Luft sind, schreiben sie ja allgemein nicht.

oritag 009 400In der Pfalz und im Schwarzwald wird der Samstag wohl zu sportlich, weil die sehr kalte, labile Luft im Mix mit der starken Mai-Sonne extreme Thermik-Böen produziert. Ab Sonntag kann es brauchbar werden, einzig die Wahl des Startplatzes wird bei Nordwind nicht einfach. Die Vogesen sind etwas besser dran.

Ab Montag gibt wahrscheinlich Genua die Regie an den schwedischen Teil der nordatlantische Perlenkette ab.

Wir dürfen also mit moderater Erwartung hoffen. Näheres gibt's dann rechtzeitig bei unseren Flugwetterprognosen.