Das Ei wird traditionell mit Ostern in Verbindung gebracht - genau wie der Hase. Was hat das ovale Hühnergelege aber mit dem Jahreswechsel zu tun?

Abgesehen von allerlei köstlichen Gebäcken und Desserts, die man damit zubereiten kann und die wir um diese Jahreszeit reichlich konsumieren, auf den ersten Blick wenig. Wäre da nicht des Ei’s  unverwechselbare Form - und der Schneehase.

gemeinsam fliegen 20210103 003 540Letzterer verdankt seinem Namen dem weißen Fell, das er freilich nur zur kalten Jahreszeit zur Schau trägt, um sich vor hungrigen Jägern in der winterlichen Umgebung zu tarnen. Und eben diese weiße Pracht, die derzeit unsere Startplätze und Flugberge schmückt, verdanken wir dem Neujahrs-Ei..

Zugegeben, mit bloßem Auge ist selbiges nicht zu erkennen, aber in den bunt eingefärbten Wetterkarten der 500hpa Höhenschicht sehr deutlich. Na ja, Ei ist vielleicht auch nicht ganz korrekt, es sei denn, man erweitert den Bereich der Form-Vergleiche um das Spiegelei.

500hpa 2021 jan 03 540Wobei wir fast schon beim Thema wären: dem Wetter - das sich derzeit nur sehr selten mit der Vorsilbe »Flug« schmücken kann, dafür aber (nicht nur) die Kinder erfreut und endlich mal jahreszeittypisch ist. Oder doch nicht?

Frau Holles Federschütteln jedenfalls hat seinen Ursprung in einem fast ortsfesten Kaltluftei, tatsächlich eher ostertypisch als weihnachtlich. Denn derartige Kaltluftgebilde oder auch Höhentiefs genannt, sind die Folge eines schwachen Jet-Streams, der wiederum infolge nur mäßiger Temperaturgegensätze zwischen Polarluft und subtropischer Luft große Wellen schlägt.

Solche Wetterlagen sind eher im Frühling anzutreffen, wenn sich die Frontlinie zwischen der südlichen Wärme und der polaren Kälte gen Norden verschiebt. Manchmal wandern diese Wellen des Höhenwind-Bandes sehr rasch, was häufigen Wetterwechsel zwischen Hochs und Tiefs mit sich bringt. Wenn zudem im Frühling die Sonne deutlich kräftiger durch Wolkenlücken strahlt, als jetzt als bei Sonnentiefststand, heizt sie in der labilen Luft ordentlich Thermik an und entsprechend präsentiert sich eine solche Wetterlage dann als launisches »Aprilwetter«.

gemeinsam fliegen 20210103 006 540Derzeit hat sich aber eher eine stehende Welle ausgebildet und diese hat ihren »Bauch« über Mitteleuropa platziert. Man kann sich das etwa vorstellen wie die Resonanz-Schwingung einer Gitarrensaite, nur ein paar tausend Kilometer größer.

Warum dies so ist, lässt sich im Zusammenhang mit Klimaveränderungen vermuten, die genauen Zusammenhänge sind aber hoch komplex und das lassen wir jetzt mal außen vor.

Fakt ist: das derzeitige Winterwetter gehört zumindest was die Großwetter-Konstellation betrifft, eher in den Frühling, als zu Weihnachten und Neujahr.
Flughungrige haben dafür aber durchaus Chancen auf mehr als Abgleiter, vorausgesetzt, der Startplatz ist wolkenfrei, Frau Holle hat Schüttelpause und der Zeitplan läßt Raum für Spontanentscheidungen.

gemeinsam fliegen 20210101 001 540Denn solche Höhentief-Lagen sind sehr labil, sprich es gibt auch im Hochwinter bei Minustemperaturen Thermik und oft dazu noch guten Soaringwind. Der kleine Nachteil: die Wettermodelle sind mit Kaltlufteiern leicht überfordert und rechnen höchstens einen Tag im Voraus brauchbare Prognosen. Immerhin: besser als Dauernebel, Wintersturm oder Warmfrontregen.

Ob geflügelt oder mit Kufen: wir wünschen wir euch und uns einen guten Start in das neue Flugjahr 2021!

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