Warum Hammertage manchmal keine sind

Das Frühjahr 2014 hat uns schon einige sehr schöne Flugtage beschert. Doch seit Ende März sind die Flugwetterprognosen meist deutlich besser, als die tatsächlichen Bedingungen. Dunst und Cirren schirmen die Sonneneinstrahlung stark ab, die Thermik-Güte bleibt hinter den Erwartungen zurück. Warum sind die meisten Wettermodelle mit der aktuellen Situation überfordert?

sahara staub 01 sfc fullWettermodelle beruhen auf Erfahrungen und deren statistischer Auswertung. Mit raffinierten Algorithmen versuchen die Mathematiker, aus den Beobachtungen in die Zukunft zu rechnen. Je häufiger bestimmte Parameter und Konstellationen auftreten, desto genauer wird die Prognose für ähnliche Situationen. Dabei versuchen die Modelle so viele Daten wie nötig, aber gleichzeitig so wenige wie möglich zu berücksichtigen. Denn selbst große Rechenzentren sind bei der unglaublichen Fülle der möglichen Wetterdaten und Parameter schnell an ihrer Grenze.

sahara staub 02 500hpa fullBei seltenen meteorologischen Ereignissen oder Konstellationen sind deshalb die Formeln der Wissenschaftler überfordert, sie rechnen ungenau in die Zukunft. So etwa bei großen Verfrachtungen von Wüstenstaub aus der Sahara nach Mitteleuropa. Immerhin muss der feine Sand dabei mehr als 2000km Strecke zurück legen und benötigt dafür den entsprechenden Antrieb.

Derzeit (Ende März / Anfang April 2014) haben wir so eine Situation: Eine starke Konvergenzströmung südlich des Altas-Gebirges verfrachtet große Mengen Sahara-Staub in die mittlere bis obere Troposphäre. Ein kräftiges Tief über dem Atlantik lenkt den Jet-Stream in einer Welle weit nach Süden ab und wieder zurück nach Mitteleuropa. Mit dieser kräftigen SW-Strömung gelangt nun der feine Staub in unser Flugrevier.

skiron fc 04 03 2014 fullHier kommt es in mäßig feuchter Luft zur Kondensation an den feinen Staubkörnern und damit zur Cirren-Bildung. Ausserdem schirmt der feine Sand das Sonnenlicht auch direkt ab. Da die gängigen Wettermodelle den Wüstenstaub in ihrem Erfahrungsschatz nur sehr selten vorfinden, liegen sie dementsprechend in ihrer Prognose daneben.

Die Uni Athen hat das Prognosemodell SKIRON etwickelt, das die Staubverfrachtungen mit berücksichtigt, immerhin ist es von Athen nach Nordafrika nicht allzu weit und dementsprechend ist Saharasand in Griechenland deutlich öfter am Himmel zu finden, als bei uns.

Vielen Dank an Lucian Haas, der uns auf das Thema und das Griechische Modell aufmerksam gemacht hat.