Mit etwas Verspätung schreibe ich hier einen Bericht über unsere Reise nach Andalusien, genauer gesagt Algodonales, einem der Hotspots in der Fliegerwelt.

Ich hatte schon so viel davon gehört, dass ich es kaum erwarten konnte, dem trüben, frostigen Novemberanfang zu entfliehen. Und so wartete ich gespannt auf die anderen Flieger und Fliegerinnen, die sich am 30. Oktober 2017 um 5.00 Uhr früh morgens am Baden Airpark einfinden sollten, um mit dem Flugzeug gen Málaga zu starten.

gemeinsam fliegen 171030 201 540Nach drei Stunden Flugzeit, wir flogen einem grandiosen Sonnenaufgang entgegen, ging es direkt zu unserem gecharterten Bus, der nun eine Woche unser treuer Begleiter sein und uns nun erst einmal zu unserer Pension bringen sollte. Noch etwas müde und mit dem Bedürfnis nach einer guten Tasse Kaffee, hielten wir auf dem Weg zu unserer Unterkunft in Algodonales, an einer Raststätte um den ersten von vielen frisch gepressten Zumos de Naranja, und ein kurzes Frühstück zu uns zu nehmen. Das alles in strahlendem Sonnenschein, mit einer kurzen Vorstellungsrunde und der vielversprechenden Aussicht auf unseren ersten Flugtag.

Einfliegen am Hausberg

Nachdem wir unser Gepäck in der Pension verstaut, die Zimmer verteilt und unsere Schirme eingeladen hatten, ging es auch schon zum ersten Spot unserer Reise, auf die Sierra Lijar zum SW-Start. Ich hatte schon viel von den Geiern in Algodonales gehört, Thermikanzeiger und Mitflieger … Und so war es auch, nach Einweisung an Start- und Landeplatz, flogen wir in ruhiger Luft mit diesen majestätischen Vögeln, überall trug es stundenlang und als wir uns nach reichlich Airtime im orangefarbenen Licht der untergehenden Sonne bei einem eiskalten Landebier am Landeplatz wiedertrafen, hatten wir bereits ein „Dauergrinsen“ im Gesicht, was uns auch in der ganzen Woche nicht vergehen sollte .. Heute Abend würden uns die Tapas und der Rotwein bei Pepe besonders gut schmecken.

gemeinsam fliegen 171031 204 540Für den nächsten Tag sollte es trotz starkem Wind, der vorhergesagt war, wieder der Hausberg sein, allerdings dieses Mal SO-Seite des Lijar und nach einem guten Frühstück mit allem was das Herz begehrt, ging es zunächst den neuen Startplatz anschauen bevor wir nach Zahara de la Sierra fuhren weil der Wind noch zu stark war. Nach etwas Sightseeing beschlossen wir den leeren Landeplatz, der gestern noch voller glücklicher gelandeter Piloten war, für etwas Groundhandling zu nutzen und hatten auch nach einer Weile immer noch den ganzen Landeplatz für uns. Nachdem der Wind nun etwas abgenommen hatte ging es auf den Berg und als alle gestartet waren, flogen zig bunte Flügel in der Luft und es trug über eine weite Fläche.

Zahara und Sunset-Moonrise-Flug

Was für ein grandioses Panorama und nach stundenlangen Flügen, der Mond war bereits aufgegangen, und immer noch waren viele Schirme in der Luft, war es so dunkel geworden, dass einer das Licht ausmachen musste. Es war Wolfgang, der als letzter Pilot aus unserer Gruppe an diesem Tag landete und dem wir mit Taschenlampen leuchteten, damit er seinen Schirm einpacken konnte. Unfassbar wie lange man sich halten konnte und auch als es dunkel war, war das Landen auf dem großen Landeplatz gar nicht so einfach denn es trug und trug und trug ….

gemeinsam fliegen 171031 206 540An diesem Abend kamen wir spät zu unserem reservierten Tisch bei Pepe und wurden von jeder Menge geschminkter Menschen empfangen, die t-Shirts mit Skeletten anhatten und Kürbislaternen schwenkten, Kinder, die nach Süßigkeiten Ausschau hielten und mit Kunststoff Säbeln klapperten. Halloween in Spanien?? Nein, es war der Día de los Muertos „Tag der Toten“, einer der wichtigsten mexikanischen Feiertage, den man in Algodonales an diesem Abend ausgiebig feierte. 

Keine Frage, für die Einheimischen wurde dies eine lange „feucht-fröhliche“ Nacht aber wir wussten, dass es am nächsten Tag nach Cenes de la Vega und Monachil gehen sollte, also hieß es früh aufstehen denn der Weg dahin war weit. Da wieder viel Wind vorher gesagt war, hatte Thomas einmal mehr „den richtigen meteorologischen Riecher“ und wir fuhren ins Hinterland, was sich für diesen Tag als beste Option heraus stellen sollte.

Sierra Nevada

Als wir oben am Startplatz standen, eingerahmt von den schneebedeckten Bergwipfeln der Sierra Nevada auf der einen und den kargen, lehmfarbenen, trockenen Hügeln auf der anderen Seite, die sich wie sanfte Wellentäler zu unseren Füßen bis zum Horizont erstreckten, da konnte zumindest ich nicht anders als eine große Demut zu empfinden. Was für ein grandioses Panorama und welch ein Privileg hier zu stehen, bereit die Lüfte gemeinsam mit unserer Truppe und ein paar wenigen einheimischen Fliegern zu erobern.

gemeinsam fliegen 171101 208 540An diesem Tag hieß die Losung von Thomas „einmal über die Alhambra fliegen und ein Foto machen“ … das dies nicht erlaubt ist, war uns allen klar, tat aber ein übriges zu unserer Motivation möglichst lang, hoch und weit zu fliegen. Nachdem alle zu ihrem ersten Flug gestartet waren und sich auch eine Weile halten konnten, drehte unerwartet der Wind. Über der Kante, war aktives Fliegen gefragt.
Wer sich zu niedrig befand, flog jetzt im Lee, dem Roland und Marianne souverän mit einer Landung auf zugegeben kleiner Fläche entflohen. Eine nicht geplante Außenlandung, trotz einigen „Schweißperlen“ mehr auf der Stirn, mit lachendem Auge. Auch ein zweiter Flug war an diesem Tag für uns alle noch drin und so fuhren wir am späten Abend nach Fisch und Wein müde aber glücklich wieder zurück in unsere Pension. Am nächsten Tag sollte es früh nach Matalascanas gehen ans Meer und so schliefen wir uns glücklich in den neuen Tag.

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Die große Düne bei Matalascañas

Nach einem frühen Frühstück fuhren wir los zunächst in Richtung Ruinas Torre Vigia um dann, quasi um die Ecke, in Matalascañas an unserem ersten Startplatz zu stehen. Viel Wind … für mich war das eine besondere Herausforderung, denn ich wollte meinen ersten Rückwärtsstart versuchen. Gesagt, getan … mit der Hilfe von vielen Händen, die „Schirm und Reiter“ fest hielten, erwischte auch ich einen guten Start und flog mit über 50 kmh die Kante entlang. Zunächst links das Meer und rechts soweit das Auge sah: Dünen, weißer Sand und kurz gewachsene kleine Bäume. Was für ein Erlebnis !! Über mir Wolfgang, Chris, Nik, Udo und Roland, die stundenlang die Kante „entlang ritten“ und denen immer wieder ein lautes „Juchuu“ oder „Jippieh“ über die Lippen kam. Auch das Groundhandling war hier ein Genuss, denn der Wind war zwar stark aber Laminar und so ging für uns alle ein weiterer toller Flugtag zu Ende. Ich machte noch ein Bild vom Sonnenuntergang am Meer, bevor wir uns alle zum Essen und auf die Heimfahrt machten.

gemeinsam fliegen 171102 216 540Am nächsten Tag sollte es nach El Bosque gehen. Wieder ein neuer Spot, wieder hervorragend ausgewählt, denn eine Front war vorausgesagt und man spürte schon die feuchten Luftmassen, als wir bei einen kleine Wanderung entlang des Rio Majaceite mit kleinen Wasserfällen und romantischem Bachlauf die Zeit vertrieben, bis der Wind am Startplatz perfekt war.

Sierra Grazalema

Am Startplatz angekommen, hatten sich auch drei Drachen mit englischen Piloten zum Start fertig gemacht. Wir gaben ihnen den Vorrang und starteten hinterher. Und wieder war das ein Tag mit neuen Verhältnissen. Wer sonst wenig mit Beschleuniger flog, lernte ihn heute zu benutzen. Trotz zügigem Gegenwind erreichten alle sicher den Landeplatz - oder zumindest die Wiese davor.

Einer der Drachen(-Schüler) hatte den Landeplatz leider etwas verfehlt aber unter Einsatz auch aller verfügbaren Hände unsererseits, konnten wir das Gerät unversehrt aus dem kleinen Baum bergen. Perfekt getimt, denn kaum war der Drachen eingepackt, gab es eine Dusche von oben. Dem Piloten war außer dem Schrecken nichts passiert. Heute würde uns die bei Pepe vorbestellte Paella besonders gut schmecken, und so war es auch!! 

Was für eine Woche !! Bisher „Thomas sei Dank“ an jedem Tag geflogen, viel Neues gelernt, total gute Stimmung, konnte man das noch steigern? Man konnte, denn am nächsten Tag sollte es noch einmal ans Meer gehen. Conil de la Fronetra war das Ziel für den vorletzten Tag unserer Reise. Zwischen Cádiz und Gibratar am Atlantik,  sollte unser anvisiertes Ziel liegen. Dort angekommen bot sich uns ein wunderbarer Blick auf breiten Sandstrand und das azurblaue Meer. Kein Wunder dass diese Küste Costa de la Luz, die „Küste des Lichts“ genannt wird.

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Noch einmal ans Meer

Dennoch merkten wir schnell, dass der Wind hier zu stark sein würde und nach einem ausgiebigen Spaziergang am Strand, die Füße dabei immer im kühlen Wasser des Atlantiks, die Kitesurfer, die hier ein Eldorado vorfanden vor der Nase, verließen wir diesen Ort, nicht ohne vorher noch ein Sonnenbad genommen und einen Espresso in einer Strandbar getrunken zu haben. Urlaub! Auch das muss sein und dann brachen wir ein weiteres Mal nach El Bosque auf, um den Tag mit einem Flug ausklingen zu lassen. Ein paar Wolken „zogen“ doch noch ganz ordentlich an diesem Abend, ideal um Abstiegshilfen zu trainieren und wieder den Beschleuniger zu benutzen. Ich entschied mich, das Shuttle zu fahren, sodass auch Thomas an diesem Tag zu einem Flug in Richtung Sonnenuntergang aufbrechen konnte.

El círculo se cierra

Der letzte Tag unserer Flugreise nach Algodonales endete schließlich dort, wo die Woche in Andalusien angefangen hatte: am Hausberg und bei einigem Andrang ging es am kleinen Nord-Startplatz im Minutentakt in die Luft. Chris startete ein ums andere mal mit einem lauten „Jipiieeeh“ und dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen. 

Was für eine Woche mit bestem Flugwetter und mit tollen Piloten*innen. Schön Euch alle kennen gelernt zu haben. Wir haben viele Spots gesehen, ich persönlich habe viel von und mit Euch allen gelernt und weiter Sicherheit gewonnen. Thomas hat uns immer zur richtigen Zeit an den richtigen Ort gebracht. Was will Pilot/Pilotin mehr ??



Ich hoffe wir sehen uns alle irgendwann mal wieder. Irgendwo auf einem Berg, in der Luft, am Landeplatz ….

Bis dahin wünsche ich euch allen viele schöne Flüge und allzeit happy landings,
Sigrid (Sigi)    
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Mehr Bilder von der Andalusienreise 2017 findest du hier >