Als bereits im Jahr 1120 der Legende nach Engelsstimmen vom Berg Hahnen erklangen, kündigte sich schon an, dass jenes liebliche Tal vor dem gewaltigen Titlis-Massiv allem, was Flügel hat wohl gesonnen sein wird.

gemeinsam fliegen 20200621 018 540Neun Jahrhunderte später hat sich die Region zwischen Rigi und Titlis im Herzen der Schweiz tatsächlich zu einem Mekka für Gleitschirmflieger entwickelt. Sie unterhält etwa 40 Seilbahnen mit denen sich etliche Startplätze leicht erreichen lassen - oft mit abenteuerlich-nostalgischen Mini-Göndeli. Kein Wunder wird das Tal auch gerne »kabel-valley genannt«.

Doch wer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein möchte, sollte mit den alpinen Windsystemen und dem lokalen Mikroklima vertraut sein - sonst steht man bei schönster Sonne am besten Startplatz mit Rückenwind. Ach ja, und wo die vielen fast unsichtbaren Kabel den Luftraum verdrahten solle man auch wissen.

Gut, dass es dort genau jene Fluglehrer-Kollegin gibt, die vor vielen Jahren ohne es zu wissen die beiden Hälften von Gemeinsam-Fliegen auf wundersame Weise zusammengefügt hat.

So bereitet es uns große Freude, mit der Reise in die Zentralschweiz den Engel vom Berg wieder zu treffen und mit Monika die best denkbare Begleitung für unsere Tour gefunden zu haben.

gemeinsam fliegen 20200619 001 540Doch zunächst empfängt uns das Engelberger Tal mit brodelnder Labilität und viel Luftfeuchtigkeit, trotz unserem schon legendären Optimismus scheint der Freitag ein vor allem ein flug-freier Tag zu werden. Immerhin: nach Kaffe am Niederbauen gibts doch eine Wolkenlücke und ein nettes erstes Flügli am Brändli.

gemeinsam fliegen 200621 014 540Am Abend dann Raclette mit Käse vom Nachbarhof auf der Alphütte am Langboden mit Kaminfeuer - oh wie ist die Schweiz auch bei Regen schön!

Engel haben ja bekanntlich einen guten Draht zum Himmel und so konnte das Wetter jetzt nur noch besser werden. Und das wurde es auch, nach und nach, im Schweizer Tempo …

So gabs dann Samstag am Brunni schon einen kleinen Streckenflug, für einige ein echtes Abenteuer mit der Erfahrung, dass man Stromleitungen fast übersehen kann (aber glücklicher Weise nur fast!) und dass Waldlichtungen mit romantischen Kapellen unwiderstehliche Anziehungskräfte entwicklen können, auch wenn der Rückweg zur Straße sich als alpine Bergwanderung entpuppt.
»Do isch jetzt no nieämed glondet« (hier ist bisher noch niemand gelandet) kommentiert dann auch ein zufällig in der Einsamkeit anwesender Einheimischer.

gemeinsam fliegen 20200620 003 540Den ereignisreichen Tag krönt schließlich ein weiterer Flug vom Niederbauen. Viel eindrücklicher, als die beste Schweiz Werbung begleitet uns dort der magische Klang von drei Alphörnern am Startplatz in das sich langsam von Regenvorhängen freigegebene Grand Panorama des Vierwaldstätter Sees mit grandiosen Lichtspielen zwischen Himmel und Erde.

gemeinsam fliegen 20200620 004 540Die Prognose für den Sonntag stellt gute Bedingungen für ein weiteres Streckenflügli in Aussicht. So starten wir am nächsten Morgen zur Gummenalp. Der frühe Aufbruch lohnt sich, denn das Fenster zwischen es geht noch nicht, der Vorwind kommt und der Talwind drückt von hinten rein, ist knapp.gemeinsam fliegen 20200621 001 540 2Doch wieder zur richtigen Zeit am richtigen Ort, gelingt der Einstieg zu Thermik vom Feinsten und für so manchem Tourteilnehmer die bisherige Krönung der persönlichen Fliegerkarriere. Ja, ja, zu lernen gibts schon auch noch viel, alpin ist eben anders als Flachland, hier sind die Wolken mitunter schon mal größer, ist das Steigen schon mal etwas stärker … Wer zumindest die Ohren anlegen kann, hat eindeutig ein Plus im Rucksack!

gemeinsam fliegen 20200620 010 540Einige Stunden später finden sich alle am Bielen wieder. Eis und Limo vom Bauernhof stellten jedes Landebier weit in den Schatten, in dem sich in der Hängematte noch mal der grandiose Flug Revue passieren lässt.

Frisch gestärkt lockt der Nachmittag erneut nach Emmetten, wo uns der Niederbauen nun mit strahlender Sonne und wunderbarer Thermik zum Sommer-Sonnwend-Abendflug mit Adlerbegleitung empfängt.gemeinsam fliegen 20200621 019 540

Eine Steigerung ist kaum mehr denkbar, doch unser Engel vom Berg hat noch einen weiteren Trumpf in der Tasche: und sie, die Rigi, sollte ihrem von den Eidgenossen verliehenen Titel »Königin der Berge« alle Ehre erweisen.

Die Auffahrt mit Bus und historischer Zahnradbahn verschlingt zwar gleich mehrere Stundenlöhne eines Fluglehrers, belohnt dafür aber mit nicht mehr zu überbietender Schweiz-Romantik. Im Film würde man das schlicht weg als totalen Kitsch betiteln.

Am Startplatz angekommen, enthüllt die Rigi mit Schweizer Pünktlichkeit ihr königliches Haupt und lädt uns mit sanftem Soaringwind und bester Thermik zur Audienz (korrekter müsste es eigentlich Vidienz heißen).

gemeinsam fliegen 20200622 024 540Dass es zum bisher erlebten noch eine Steigerung gibt, hätten wir nicht für möglich gehalten, doch die Rigi zu überhöhen, an schroffen Felsen in die türkisblaue Tiefe des Vierwaldstätter Sees zu blicken, die Schneegipfel der Hochalpen auf der einen, die sanfte Zentralschweizer Seenlandschaft auf der anderen Seite und die gletschergeformten Fjorde mit ihren glitzernden Gewässern dazwischen, das ist schon absolut einmalig und schlichtweg unbeschreiblich. »Mehr Schweiz geht nicht« ist Monikas Kommentar, damit hat sie sicher recht, aber ganz bestimmt geht Schweiz noch öfter!

Vielen Dank dem Engelberger Engel und ihrer Flugschule Flugrausch für die Gastfreundschaft, die immer perfekte Startplatzwahl und die großartigen gemeinsamen Tage. Wir kommen ganz bestimmt wieder!

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